Menschen und Automaten bei der gemeinsamen Arbeit, Elektronische Datenverarbeitung mittels des IBM System/360 im VW-Werk Wolfsburg (1973).

Können Algorithmen entscheiden? Menschliche und materiale Partizipanden des Entscheidens im Konflikt

von André Krischer

Algorithmen als „Weapons of Math Destruction“

„Weapons of Math Destruction“, kurz: WMD – mit diesem ingeniösen Label bezeichnet Cathy O’Neil Algorithmen, die in immer mehr Lebensbereiche eingreifen.[1] Das 2015 erschienene Buch der amerikanischen Mathematikerin, ehemaligen Investmentbankerin und politischen Aktivistin ist vor kurzem auch auf Deutsch erschienen – und liest sich wie eine Warnung: Wer z.B. heute in den Vereinigten Staaten einen Kredit aufnehmen oder eine Versicherung abschließen wolle, sei nicht länger abhängig von der örtlichen Bankberater*In oder Versicherungsagent*In, die ihre Entscheidungen immer auch mit ‚Bauchgefühl‘ treffen und dabei nicht selten ethnische oder soziale Vorurteile einfließen lassen. Vielmehr übernehmen diese Entscheidung nun Algorithmen, also Computerprogramme. Können Algorithmen entscheiden? Menschliche und materiale Partizipanden des Entscheidens im Konflikt weiterlesen

Aktenflut und Ressourcenknappheit

von Maximiliane Berger und Nicola Kramp-Seidel

Zwei Beiträge aus der Arbeitsgruppe „Oder kann das weg? Archivarisches Entscheiden“ beleuchten ein Spannungsfeld ökonomischer Einflüsse um Bestands- und Kassationsentscheidungen.

Money, money? Archivarisches Entscheiden und Ökonomie

von Maximiliane Berger

Tagtäglich fällen Archivare Entscheidungen darüber, ob Dokumente archivwürdig sind oder kassiert werden. „Kann das weg?“ ist zugleich immer eine Frage von Knappheit und Verknappung, von Nutzen und Haushaltung; es ist eine Frage mit ökonomischem Hintergrund. Aktenflut und Ressourcenknappheit weiterlesen

Wenn du könntest, würdest du es wirklich wollen?

Entscheidensszenarien in Lana und Lilly Wachowskis The Matrix

von Zarah Rietschel

 

Stell Dir vor, Du fristest ein Doppelleben als nachtaktiver Hacker und gesetzestreuer Büroarbeiter am Tage, in Deinem Leben ereignet sich nichts Spannendes, bis auf die Tatsache, dass Du das Gefühl hast, irgendetwas sei seltsam, was genau kannst Du jedoch nicht sagen. Bis geheimnisvolle Botschaften auf Deinem PC auftauchen, Du an Deinem Arbeitsplatz (dem Büro, nicht Deinem zellenartigen Hackerzimmer) von sonnenbebrillten Männern aufgesucht und auf den Fenstersims des Hochhauses getrieben wirst, in welchem Du arbeitest. Warum Du vor ihnen fliehst, weißt Du nicht, nur, dass Du der Dir unbekannten Stimme an Deinem Handy mehr vertraust als ihnen. Du lässt Dich von ihr lenken, bis Dein Leben mit Dir auf dem Fensterbrett ins Wanken gerät, Du erwischt, verhört und verwanzt wirst. Wieder bekommst Du einen Anruf, sollst Dich nachts –natürlich bei Regen– unter einer Brücke mit der Frau treffen, nach deren erstmaligem Auftreten in Deinem Leben plötzlich Verfolgungsjagden und zuwachsende Münder zu Deinem Alltag gehören. Wenn du könntest, würdest du es wirklich wollen? weiterlesen

Was passiert, wenn ‚Drama‘ und ‚Entscheiden‘ auf dem Spielplan stehen?

Ein Interview mit dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Alexander Honold

von Sarah Nienhaus

                             © Universität Basel, Andreas Zimmermann

Alexander Honold hat seit 2004 die Professur für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Basel inne. In den Aufsätzen Bildhafte Tugenden, erzählte Laster. Von der Topik zum Plot (2010), Das Gottesurteil und sein Publikum. Kleists dramatischer Dezisionismus in ‚Der Zweikampf‘ (2013) und „Entscheide Du“. Kleists Komödie der Dezision (2013) hat Alexander Honold die Darstellung und Funktionen des ‚Entscheidens‘ sowie Entscheidensfiguren analysiert; mitunter auch ‚Herkules am Scheideweg‘.[1]

Angelehnt an Erving Goffmans Frame Analysis[2] wurden Entscheidensprozesse innerhalb des SFB 1150 wiederholt als ‚soziales Drama‘ tituliert. Daran anschließend wurden bislang primär die theatrale Metaphorik und Semantik des Entscheidens untersucht, kaum aber die gattungsspezifische Qualität des Dramas für Entscheidenskulturen ausgelotet. Umso dankbarer sind wir Alexander Honold, dass er in Form eines Interviews das Verhältnis zwischen ‚Drama‘ und ‚Entscheiden‘ konturiert und den Wissensschatz des SFB um eine gattungsspezifische Dimension erweitert. Was passiert, wenn ‚Drama‘ und ‚Entscheiden‘ auf dem Spielplan stehen? weiterlesen

Szenen des Entscheidens

Auftakt der Filmreihe mit Anne Zohra Berrached und Claudia Roesch

von Sarah Nienhaus

Am 11.12.2017 um 17.00 Uhr flimmerten bei Popcorn und Wasser am Domplatz 6 die ersten Szenen des Entscheidens an den neuen Bürowänden des SFB 1150. Der Auftakt der Reihe galt dem Film 24 Wochen, zu dessen Vorstellung die Regisseurin Anne Zohra Berrached und die Historikerin Claudia Roesch als Gäste geladen waren. Szenen des Entscheidens weiterlesen