Was passiert, wenn ‚Drama‘ und ‚Entscheiden‘ auf dem Spielplan stehen?

Ein Interview mit dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Alexander Honold

von Sarah Nienhaus

                             © Universität Basel, Andreas Zimmermann

Alexander Honold hat seit 2004 die Professur für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Basel inne. In den Aufsätzen Bildhafte Tugenden, erzählte Laster. Von der Topik zum Plot (2010), Das Gottesurteil und sein Publikum. Kleists dramatischer Dezisionismus in ‚Der Zweikampf‘ (2013) und „Entscheide Du“. Kleists Komödie der Dezision (2013) hat Alexander Honold die Darstellung und Funktionen des ‚Entscheidens‘ sowie Entscheidensfiguren analysiert; mitunter auch ‚Herkules am Scheideweg‘.[1]

Angelehnt an Erving Goffmans Frame Analysis[2] wurden Entscheidensprozesse innerhalb des SFB 1150 wiederholt als ‚soziales Drama‘ tituliert. Daran anschließend wurden bislang primär die theatrale Metaphorik und Semantik des Entscheidens untersucht, kaum aber die gattungsspezifische Qualität des Dramas für Entscheidenskulturen ausgelotet. Umso dankbarer sind wir Alexander Honold, dass er in Form eines Interviews das Verhältnis zwischen ‚Drama‘ und ‚Entscheiden‘ konturiert und den Wissensschatz des SFB um eine gattungsspezifische Dimension erweitert.

Welche Aufgabe hat die Literatur Ihres Erachtens im Kontext einer ‚Poetologie des Entscheidens‘?

Literatur hat dabei die Aufgabe, Darstellungsformen und Auftrittsbedingungen von Entscheidungsvorgängen sichtbar zu machen, indem sie die Dichotomie von noch offenen und bereits getroffenen Entscheidungen zum Thema macht und sich an dieser Schwelle möglichst dauerhaft ansiedelt.

Welchen Stellenwert und welche Funktion haben Prozesse des Entscheidens im Drama?

Dramatische Literatur ist – anders als Erzählliteratur – nicht auf abgeschlossene Vergangenheit als Geschichte bezogen, sondern auf Vorgänge des Handelns in ‚Echtzeit‘. Dies ermöglicht ihr, und beauftragt sie zugleich, sich um ergebnisoffene Entscheidungsprozesse zu kümmern und dabei Kontingenz als einen Modus dramatischer Handlungsketten sichtbar zu machen.

Ist das Drama eine ‚entscheidensaffine Gattung‘?

Es handelt sich hier um einen wechselseitigen Prozess, denn Entscheidungsvorgänge haben per se auch einen theatralen, inszenatorischen Charakter, insbesondere etwa im Institut des Ordaliums. Die Theatralität juristischer Entscheidungsvorgänge (das Fällen von Urteilen) ist dabei an ein spezifisches Gebot der Öffentlichkeit gebunden, hat also den theatral relevanten Faktor des Publikums zu berücksichtigen. Ebenso kommt im Drama insofern ein Dreieck aus Problemstellung, Protagonisten und Publikum zur Entfaltung.

Wie relevant sind beratende Figuren innerhalb eines Entscheidensprozesses?

Beratende Figuren können als Stellvertreter des Beobachterstandpunktes verstanden werden, sie können aber graduell auch die Wahrnehmung von Eigeninteressen übernehmen und verhandeln somit den Gegensatz von Handeln und Beobachten.

Welche Funktionen besitzen Zeit und Raum innerhalb eines Entscheidensprozesses?

Der Zeitfaktor ist im Hinblick auf die Konvention der Irreversibilität von getroffenen Entscheidungen relevant; er stellt Entscheidungsprozesse unter den Vorbehalt der Entscheidungsfrist und schafft damit erheblichen Druck (Zeitdruck). Räumliche Modelle können den Schematismus von Dezisionen veranschaulichen (z. B. Herkules am Scheidewege, Grammatik der Bifurkation etc.).

Existieren bevorzugte Zeitformen und Raumkonstellationen für die Darstellung von Entscheidensprozessen?

Grundsätzlich können die verschiedensten Settings für Entscheidungsprozesse herangezogen werden; meistens sind sie allerdings an die konstruktive Funktion von Wende- bzw. Umschlagspunkten gebunden.

Während Ihrer Zeit am Freiburger Institute for Advanced Studies (FRIAS) haben Sie das „Distinktionsverhältnis und Zusammenspiel“ von Drama und Narration untersucht. In autobiographischen Texten werden Entscheidensprozesse vorrangig mit einem szenischen Gattungswechsel dargestellt. Würden Sie sagen, dass sich Entscheidensprozesse generell durch ein Wechselspiel von „narrativierenden und dramatisierenden Verfahren“[3] auszeichnen?

Erzählen stellt Handlungsprozesse je schon unter die Doppelperspektive des aktuellen Vorgangs und der bereits geschehenen Handlung. Die Implementierung dramatisch-szenischer Mittel schafft hier eine Form der ergebnisoffenen Verlebendigung. Umgekehrt kann der Einsatz narrativer Elemente im Drama dazu beitragen, Beobachtungen zweiter Ordnung in ein szenisches Geschehen einzuführen.

Welchen Beitrag leisten Literatur und Literaturwissenschaft für eine Entscheidenspraxis und -theorie?

Literatur ermöglicht Beobachtungen zweiter Ordnung und eröffnet Spielräume hypothetischer bzw. virtueller Entscheidungsszenarien. Sie kann damit einen Kontrapunkt zu faktischen Entscheidungsprozessen, sei es biographischer oder gesellschaftlicher Natur, darstellen.

Welcher Dramentext sollte unbedingt gelesen werden, um ‚Kulturen des Entscheidens‘ zu untersuchen?

Shakespeares Hamlet, Schillers Wallenstein.

In Ihrer Analyse von Heinrich von Kleists Der Zweikampf bezeichnen Sie den ‚Zweikampf‘ als ‚binäre Figur des Dilemmas‘. Welche Entscheidensfiguren erachten Sie als prominent?

Bifurkation, Hasard (Würfelwurf), Ordalium, Bibelstechen (und verwandte Semantisierungen ominöser Zeichen).

Mit welcher Dramenfigur gingen Sie gerne Essen?

Mit Hašeks Schwejk (einer dramatischen Figur im Roman, die Rabelais‘schen Appetit mit Kafka’scher Hungeraskese verbindet…).

Mit welcher Dramenfigur träfen Sie gerne eine Entscheidung?

Rip van Winkle (Max Frisch).

[1] Alexander Honold: Bildhafte Tugenden, erzählte Laster. Von der Topik zum Plot. In: ders./Ralf Simon (Hg.): Das erzählende und das erzählte Bild. München 2010, S. 397-439; der.: Das Gottesurteil und sein Publikum. Kleists dramatischer Dezisionismus in Der Zweikampf. In: Dieter Heimböckel (Hg.): Kleist. Vom Schreiben in der Moderne. Bielefeld 2013, S. 95-126; ders.: „Entscheide Du“. Kleists Komödie der Dezision. In: DVjs 87 (2013) 4, S. 502-532.

[2] Erving Goffman: Frame Analysis. An Essay on the Organization of Experience. Boston 1991.

[3] Alexander Honold: FRIAS-Projekt. Erzähltes Schauspiel, theatrale Narration. https://www.frias.uni-freiburg.de/de/das-institut/archiv-frias/school-of-lili/fellows/honold_lili [26.03.2018].

Szenen des Entscheidens

Auftakt der Filmreihe mit Anne Zohra Berrached und Claudia Roesch

von Sarah Nienhaus

Am 11.12.2017 um 17.00 Uhr flimmerten bei Popcorn und Wasser am Domplatz 6 die ersten Szenen des Entscheidens an den neuen Bürowänden des SFB 1150. Der Auftakt der Reihe galt dem Film 24 Wochen, zu dessen Vorstellung die Regisseurin Anne Zohra Berrached und die Historikerin Claudia Roesch als Gäste geladen waren.

24 Wochen erschien im Spätsommer 2016 und wurde u. a. mit dem Gilde-Filmpreis, Studio Hamburg Nachwuchspreis und Förderpreis der DEFA-Stiftung ausgezeichnet. Die Figuren Anne (Julia Jentsch) und Markus (Bjarne Mädel) haben ein gesundes Kind, eine glückliche Ehe und sind beruflich erfolgreich. Als sie ihr zweites Kind erwarten, erfahren sie im sechsten Monat der Schwangerschaft, dass das Ungeborene schwerkrank ist. Fortan wird den Eltern zugemutet, über eine Spätabtreibung zu entscheiden. Dabei zeichnet sich der Film durch die berücksichtigten, konfliktauslösenden Partnerperspektiven aus. Zudem besitzt die Verfilmung dokumentarische Anteile, da Ärzte wie Hebammen von medizinischem Personal ohne Schauspielerfahrungen dargestellt werden.

Mit der Filmreihe Szenen des Entscheidens wird das Anliegen verfolgt, das Medium Film als Untersuchungsgegenstand schärfer zu konturieren. Zugleich soll der Versuch unternommen werden, eine breite Diskussionskultur zu fördern, indem die Türen des SFB 1150 für ein interessiertes Publikum geöffnet werden. Die jeweiligen Filmabende widmen sich primär dem Stellenwert ausgewählter ‚Entscheidensprozesse‘ in spezifischen Kommunikationsgefügen.

Mit Anne Zohra Berrached konnte für die erste Sitzung eine international anerkannte Regisseurin als Diskussionspartnerin gewonnen werden. Sie bot einen Einblick in die filmischen Darstellungstechniken privater Entscheidensprozesse. Die Herausforderung einer sich dem Thema Spätabtreibung verpflichtenden Recherche sowie die Interaktion mit professionellen Schauspielern und Schauspielerinnen wie Laiendarstellern und Laiendarstellerinnen wurden von Berrached ebenfalls eingehend vorgestellt. Im Verlauf der Recherchen und Dreharbeiten beobachtete Berrached, dass Ärzte und Ärztinnen sich von den Gesetzgebern und Gesetzgeberinnen überwiegend alleingelassen fühlten, da im Falle einer Spätabtreibungen jeweils eine Individualregelung gefunden werden müsse. Spätabtreibungen erwiesen sich zugleich in unterschiedlichen Kontexten als Tabuthema. So berichtete Berrached von den vielfältigen Schwierigkeiten, Fördergelder einzuwerben; dabei begleitete sie stetig die Angst, dass der Film vom Publikum abgelehnt werden könne. Daran anschließend legte sie dar, welche Entscheidensprozesse zu durchlaufen sind, wenn siebzig Stunden Rohmaterial auf hundertzwei Minuten zugeschnitten werden sollen.

Die Kommentare von Claudia Roesch, die sich innerhalb des SFB mit Reproduktionsentscheidungen beschäftigt, lieferten zusätzlich eine erweiternde, geschichtswissenschaftliche Perspektive auf die Thematik. Roesch analysierte den filmisch dargebotenen Entscheidensprozess und ordnete die dargebotenen Teilaspekte einer Entscheidung historisch prominenten Debatten zu. Laut Roesch stellt sich dabei stets die Frage, wer letztlich als entscheidende Instanz in Erscheinung treten dürfe und wie die Entscheidung rhetorisch legitimiert werde. Kommunikativ werde zwischen Frau, Partner*in, Ärzten und Ärztinnen eine Entscheidung ermittelt. Berrached wie Roesch erläuterten diskussionsbegleitend die Kritik an der Pränataldiagnostik. Gemäß Roesch kritisieren einzelne Vertreterinnen der ‚Frauenbewegung‘ besonders die komplexe Untersuchungstechnik, die ein Spezialwissen erfordere, das selten gegeben sei; dies habe wiederum zur Folge, dass schwangere Frauen sich auf ein ‚Expertenwissen‘ verlassen müssten.

Roeschs und Berracheds Diskussionsbeiträge präsentierten unterschiedliche Recherche- und Darbietungspraktiken innerhalb eines gemeinsamen Forschungsfeldes. Beide Beiträge klassifizierten ‚Wissen‘ als eine zentrale ‚Ressource des Entscheidens‘.

An dieser Stelle sei allen Gästen herzlich für die Diskussionsbeiträge, dem Vorstand für den bewilligten Antrag und Brigitte Heeke für die kreative Plakatgestaltung sowie die gelungene Zusammenarbeit gedankt.

Organisiert und konzipiert wurde die Filmreihe Szenen des Entscheidens von Alexander Durben, Matthias Friedman, Hanno Jansen, Laura-Marie Krampe und Sarah Nienhaus.

Erzählte Ordnungen – Ordnungen und Entscheiden

von Maximiliane Berger

http://www.ds.uzh.ch/Agenda/?show=2391

Ordnung in Zürich

Ein dichtes Programm und ein luftiger Raum: beste Voraussetzungen für anregende Diskussionen zu einem fachübergreifend interessierenden Thema. Die Ordnungen von Texten, und wie (außertextliche?) Ordnungen durch Texte verhandelt und vermittelt werden, beschäftigen auf die eine oder andere Weise alle historisch arbeitenden Disziplinen. Unter einer hohen Kassettendecke und zwischen filigran bemalten Wänden versammelten Daniela Fuhrmann und Pia Selmayr von der Universität Zürich ihre Kollegen aus der germanistischen Mediävistik, von Kiel bis Zürich, von Köln bis Chemnitz, um Ordnung zu schaffen im Sprechen über Ordnungen. Auch Historiker aus dem SFB 1150 spielten Mäuschen und spitzten die Ohren, ohne sich freilich in das Tableau besprochener Tiererzählungen eingliedern zu lassen.

Die Eröffnung der Gastgeberinnen räumte das thematische Feld von erzählten Ordnungen // Ordnungen des Erzählens auf. Ordnung im und am Text, Ordnung, Kognition und Wissen, Ordnung zwischen Destabilisierung und Stabilisierung, Ordnung, Umordnung und Unordnung, Ordnung und Semantik, Ordnung und Narratologie, Ordnung und Zeitlichkeit – alles dies fand sich an den folgenden Tagen anhand vielfältiger Analysen einzelner Texte der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen deutschsprachigen Literatur wieder. Dabei wurde Wert auf einen Ordnungsbegriff mittlerer Verbindlichkeit gelegt, der „einen geregelten Zusammenhang von diesem und jenem“, eine Richtung, aber keine Statik impliziert. Die für die einzelnen Analysen ausgewählten Stücke aus Epik, Geschichtsdichtung, Märe, Minnerede und mehr ordneten sich für Zuhörer aus dem SFB „Kulturen des Entscheidens“ zu einem Muster, das Ordnungen dem Entscheiden zur Seite oder vielleicht vielmehr gegenüberstellt. Ordnungsverhandlungen fanden zu einem guten Teil anhand von Entscheidungssituationen statt.

Ordnung vor Gericht?

Michael Waltenberger (München) fragte, ob alles in Ordnung sei, wenn eine unentschiedene Minnesituation im Rahmen einer Gerichtsverhandlung behandelt wird und schlussendlich auch dort ungelöst bleibt. Das formalisierte Entscheiden des Minnegerichts endet in Fristsetzungen, die den Ball wieder an die ungerührte Dame zurückspielen, indem sie bei mangelnder Minnebereitschaft lediglich mit weiteren Klagen, weiterem Entscheiden drohen. In der Ordnung gerichtlichen Entscheidens ist der Minnende wohl besser nicht. Auch ein fälschlich der Häresie bezichtigter Bauer in einer von Klaus Ridder (Tübingen) besprochenen Kurzerzählung hätte auf das gerichtliche Entscheiden wohl lieber verzichtet. In solchen Erzählungen kann sich verknappende Zeit als Signum der Ordnungsbedrohung ausgemacht werden, wie auch häufig als Signum des Entscheidens, was zum Nachdenken über die Beziehung von Entscheidungsbedarf und Prekarität (Entscheidbarkeit) von Ordnungen anregte.

Höfische Ordnungen

In Tobias Bulangs (Heidelberg) Ausführungen zum Erzählen von Tristan erschien die alternativlose Notwendigkeit erzählter Entwicklungen als Resultat gerade fragmentierter, Kontingenz aufrufender, verstreut eingewebter Elemente höfischer Ordnungen; eine Art invertierter decisio, die aus der Optionalität den richtig gerichteten Weg des Helden produziert. Ebenfalls in höfischem Umfeld wandelte Andreas Kraß (Berlin), der Variation, Inversion und Perversion des Brautwerbungsschemas im König Rother besprach und die Frage aufwarf, welche (reichs)politische Lesarten dieses dynastisch-literarischen Entscheidungsproblems vertreten werden könnten. Durch Vorausdeutungen auf pippinidische Sprösslinge der Figuren werden stetig Entscheidungsräume, die die Figurenkonstellationen eröffnen, im notwendigen Fluchtpunkt der historisch bekannten karolingischen Ordnung aufgehoben. Oder erhält dadurch etwa eben jene Ordnung einen Anstrich von Alternativität?

Jan Mohr (München) untersuchte den „schweifenden Blick“ im Artusroman, der das Spannungsverhältnis des Artushofes zwischen Agonalität und Egalität in der Erzählung aushaltend übergleitet, und eben nicht systematisch verhandelt. Im Vordergrund standen ihm Zweikampfsituationen, die auf eine Hierarchisierung durch Entscheidung hinauslaufen, wobei diese dennoch nur durch die Ebenbürtigkeit der Gegner legitimiert werden kann. Resultat der erzählerischen Blickordnung sind Kampfsuspendierungen und Verschiebungen, eine an Alternativitätspräferenz grenzende Alternativitätsindifferenz des höfischen Settings.

Diese Befunde verweisen entscheidensthematisch auf die Frage nach der möglichen oder vermeintlichen Entscheidungsarmut der Vormoderne. Eine Antwort wird wohl mindestens ebenso lange auf sich warten lassen wie manche Entscheidungen des Reichskammergerichtes, doch die Zürcher Tagung zu erzählten Ordnungen hat eine neue Problemformulierung beigetragen: Ordnung durch/anhand von Entscheiden – oder Ordnung statt Entscheiden?

 

Buridans Esel oder vom unendlichen Glück des Entscheidens (Teil II)

von Jan Keupp

Wenig Konkretes wusste der badische Kirchenrat Karl Joseph Bouginé im 1789 erschienenen ersten Band seines ‚Handbuchs der allgemeinen Litterargeschichte‘ unter dem Stichwort ‚Johann Buridanus‘ anzugeben. Der mittel­alterliche Gelehrte, so wird knapp vermerkt, habe in zeittypischer Manier Schriften über die Logik verfasst. Dabei habe er „das Sprüchwort: Asinus Buridani“ in die Welt gesetzt habe, „worüber die Gelehrten vergebens nachgrübelten“.[1] Vorschnell scheint in diesem Eintrag das Verb ins Präteritum gesetzt: Das gelehrte Nachgrübeln nämlich dauert bis in die Gegenwart hinein an. Im Allgemeinen darum bemüht, das Leiden des unentschieden zwischen zwei gleichermaßen attraktiven Heuhaufen gefangenen Grautiers zu beenden, ersannen man immer neue Rettungspläne. In Fortsetzung meines letzten Blogbeitrags möchte ich drei weitere Varianten präsentieren.

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Von Bäckern und Brezen: Ein persönliches Entscheidensdilemma

Heute machte ich auf meinem Weg ins Büro bei einer Bäckerei halt, um mir noch schnell ein Frühstück zu besorgen. Dort stehe ich also vor den zahlreichen Backwaren und überlege vor mich hin; wohl etwas zu lange, denn der freundliche Herr hinter der Theke fragt mich, ob er mir helfen könne. Ich erwidere: „Das wird wohl sehr schwierig, weil die einzige Frage, die ich mir stelle, die ist, was ich eigentlich will“. Woraufhin er den trefflichen Satz formuliert: „Ja, da müssen Sie sich jetzt selbst entscheiden“.
Damit traf der nette Herr einen der Kernpunkte der „Kulturen des Entscheidens“: Was ist überhaupt „entscheiden“? Von Bäckern und Brezen: Ein persönliches Entscheidensdilemma weiterlesen