Erzählte Ordnungen – Ordnungen und Entscheiden

von Maximiliane Berger

http://www.ds.uzh.ch/Agenda/?show=2391

Ordnung in Zürich

Ein dichtes Programm und ein luftiger Raum: beste Voraussetzungen für anregende Diskussionen zu einem fachübergreifend interessierenden Thema. Die Ordnungen von Texten, und wie (außertextliche?) Ordnungen durch Texte verhandelt und vermittelt werden, beschäftigen auf die eine oder andere Weise alle historisch arbeitenden Disziplinen. Unter einer hohen Kassettendecke und zwischen filigran bemalten Wänden versammelten Daniela Fuhrmann und Pia Selmayr von der Universität Zürich ihre Kollegen aus der germanistischen Mediävistik, von Kiel bis Zürich, von Köln bis Chemnitz, um Ordnung zu schaffen im Sprechen über Ordnungen. Auch Historiker aus dem SFB 1150 spielten Mäuschen und spitzten die Ohren, ohne sich freilich in das Tableau besprochener Tiererzählungen eingliedern zu lassen Erzählte Ordnungen – Ordnungen und Entscheiden weiterlesen

Buridans Esel oder vom unendlichen Glück des Entscheidens (Teil II)

von Jan Keupp

Wenig Konkretes wusste der badische Kirchenrat Karl Joseph Bouginé im 1789 erschienenen ersten Band seines ‚Handbuchs der allgemeinen Litterargeschichte‘ unter dem Stichwort ‚Johann Buridanus‘ anzugeben. Der mittel­alterliche Gelehrte, so wird knapp vermerkt, habe in zeittypischer Manier Schriften über die Logik verfasst. Dabei habe er „das Sprüchwort: Asinus Buridani“ in die Welt gesetzt habe, „worüber die Gelehrten vergebens nachgrübelten“.[1] Vorschnell scheint in diesem Eintrag das Verb ins Präteritum gesetzt: Das gelehrte Nachgrübeln nämlich dauert bis in die Gegenwart hinein an. Im Allgemeinen darum bemüht, das Leiden des unentschieden zwischen zwei gleichermaßen attraktiven Heuhaufen gefangenen Grautiers zu beenden, ersannen man immer neue Rettungspläne. In Fortsetzung meines letzten Blogbeitrags möchte ich drei weitere Varianten präsentieren.

Buridans Esel oder vom unendlichen Glück des Entscheidens (Teil II) weiterlesen

Von Bäckern und Brezen: Ein persönliches Entscheidensdilemma

Heute machte ich auf meinem Weg ins Büro bei einer Bäckerei halt, um mir noch schnell ein Frühstück zu besorgen. Dort stehe ich also vor den zahlreichen Backwaren und überlege vor mich hin; wohl etwas zu lange, denn der freundliche Herr hinter der Theke fragt mich, ob er mir helfen könne. Ich erwidere: „Das wird wohl sehr schwierig, weil die einzige Frage, die ich mir stelle, die ist, was ich eigentlich will“. Woraufhin er den trefflichen Satz formuliert: „Ja, da müssen Sie sich jetzt selbst entscheiden“.
Damit traf der nette Herr einen der Kernpunkte der „Kulturen des Entscheidens“: Was ist überhaupt „entscheiden“? Von Bäckern und Brezen: Ein persönliches Entscheidensdilemma weiterlesen

„You decide“ II

Marlboro-Plakat You Decide
Marlboro-Plakat, Foto: urbanshit.de

Im ersten Beitrag zum Entscheidensdiskurs in der Werbung stellen wir Marlboro und Aldi als zwei Pole gegenüber: Die „You decide“-Kampagne von Marlboro als wörtlich plakative Bejahung von Entscheidungsfreiheit, Aldis „Einfach ist mehr“-Kampagne als selbsternannte Befreiung von der Überforderung des Entscheidens. Doch reflektieren die Marlboro-Plakate nicht vielleicht auch, nur subtiler Überforderung? Und macht beim Tabak gar nicht so sehr die Überforderung, sondern vielmehr das Risiko Entscheiden zur Zumutung? „You decide“ II weiterlesen

Enteignungsentscheidung

von Felix Gräfenberg

Artikel 27 der mexikanischen Verfassung von 1917 sah die Verstaatlichung der Erdölindustrie vor. Verschiedene Faktoren des politischen Systems Mexikos ließen es zu, dass die vorgesehene Enteignung lange Zeit nicht Inhalt politischen Entscheidens wurde. Schließlich waren es nicht verfassungsrechtliche Probleme, sondern außen- und sozialpolitische Strukturen, die einen diesbezüglichen Entscheidungsbedarf konstituierten und eine ebensolche Entscheidung herbeiführten.

Enteignungsentscheidung weiterlesen